Rotorblatttransport

27.10.2015 / Komplexe Standorte, Wind, Blog

Den Hang bezwungen

Eine rund 21 Prozent steile Zufahrt, drei 63-Meter lange Rotorblätter und mehrere hundert Tonnen an Turmsegmenten. Das waren die Eckdaten für ein logistisches Meisterstück, vollbracht im rheinland-pfälzischen Kerzenheim.

Christian Hartisch, wie bekommt man einen Schwertransport über einen Hang, der dafür eigentlich viel zu steil ist?

Einerseits mit Erfahrung: Kerzenheim war nicht unsere erste Baustelle mit einer anspruchsvollen Zuwegung. Unser Realisierungsteam hat über die Jahre einige Transporte, geplant und betreut: Enge Kurven, Brücken – da war schon einiges dabei. Diesmal stellte sich uns also ein steiler 300 Meter langer Hang in den Weg. Dabei gab es zwei Probleme: Die enorme Steigung von 21 Prozent und die zu flach abfallende Bergkuppe des Hanges. Es bestand die Gefahr, dass die über 60 Meter langen Flügel aufliegen würden, wenn der Transport über den Hang fährt. Einfach einen LKW dranhängen und losfahren, hätte nicht funktioniert. Also probten wir den Ernstfall in einem Testlauf, wie man auf den Bildern sehen kann.

Das Problem mit der Kuppel lösten wir zuerst: Wir haben berechnet, wie stark wir den Weg vor und hinter dem Berg angeheben mussten, damit der Transport weder aufliegt, noch die Räder der Zugmaschine in der Luft hängen. Mit einer entsprechenden Menge Schotter funktionierte das gut.


Herausforderung zwei: Der Hersteller gibt für den Transport seiner Bauteile auf Schotter eine maximale Steigung von neun Prozent vor, auf festem Untergrund zwölf Prozent. Da wir den Boden nicht unnötig mit Asphalt versiegeln wollten, haben wir mit Schotter gearbeitet. Dabei war die Wahl der richtigen Zugmaschine entscheidend: Die angetriebenen Reifen brauchten genügend Auflagegewicht und durften sich weder eingraben, noch zu schnell drehen. Also hängten wir einen schweren Spezial-LKW mit mehreren Antriebsachsen vor den eigentlichen Transport-LKW, sodass sich die Kraft auf viele Räder verteilte. Die Maschine hatte ein Spezialgetriebe mit einer extrem großen Übersetzung: Sie schlich sozusagen mit einer immensen Kraft kontinuierlich den Berg hinauf.

An dieser Stelle nochmal Kompliment an den Fahrer, der das klasse gemacht hat. Nach wenigen Minuten haben wir so Bauteil für Bauteil über den Berg gebracht. Dann mussten die LKW nur noch die flachen Stücke zu den Anlagenbaustellen fahren.

Auf diese Weise hat es super funktioniert. Aber hattet Ihr auch einen Plan B?

Ja, in der Tat. Ein weiterer LKW mit einer Seilwinde war als Backup vor Ort, falls wir mit der großen Zugmaschine nicht ans Ziel gekommen wären. Doch wir waren uns ziemlich sicher und hatten zusätzlich noch eine zweite Zugmaschine vor Ort. Letztlich hat es sogar Spaß gemacht, denn beeindruckend ist so ein Transport jedes Mal.


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