30.04.2018 / Energie-Allee

Die Lebensmittelretterinnen

Die beiden juwi-Mitarbeiterinnen Manuela Asenjo Fritz und Mirjam Wöhlke engagieren sich für einen verantwortungsvollen Umgang mit Lebensmitteln

Essen wegwerfen geht für sie gar nicht. Manuela Asenjo Fritz und Mirjam Wöhlke engagieren sich bei der Organisation Foodsharing für einen verantwortungsvollen Umgang mit Lebensmitteln – und bei juwi für den Ausbau der erneuerbaren Energien. Beides machen sie aus voller Überzeugung.

Ich weiß gar nicht, wann ich mir das letzte Mal eine Pizza bestellt habe“, erzählt Mirjam Wöhlke, während sie sich auf dem Mainzer Wochenmarkt eine Kiste mit Äpfeln schnappt, die einer der Händler für sie bereitgestellt hat. Manche der Äpfel haben kleine Macken. Nichts Gravierendes, aber die Kunden greifen dann doch lieber zu den makellosen.

Asenjo Fritz (links) und Wöhlke finden noch viele gute Lebensmittel unter dem aussortierten Obst und Gemüse.

Zum Wegwerfen viel zu schade: Da sind Wöhlke und Asenjo Fritz sich einig – wie bei so vielen Dingen. Die zwei sind nicht nur befreundet, sie haben auch ziemlich ähnliche Wertvorstellungen. Sie wollen etwas dagegen tun, dass in Deutschland ein Drittel aller Lebensmittel im Abfall landet. Deshalb haben sie sich der Organisation Foodsharing angeschlossen und sammeln Essen ein, das sonst weggeworfen würde – im Einzelhandel, beim Bäcker, auf dem Mainzer Wochenmarkt.
64 Betriebe kooperieren in Mainz mit den Lebensmittelrettern– auch viele der Standbetreiber, die mehrmals wöchentlich um den Dom ihre Marktstände aufbauen. Fast jeden Freitag sind Mirjam Wöhlke und Manuela Asenjo Fritz hier um kurz nach 14 Uhr auf dem Wochenmarkt auf Lebensmittelrettungstour. Foodsaver nennen sie und ihre Mitstreiter sich. Inzwischen gibt es die Organisation Foodsharing in vielen Städten in Deutschland mit Zehntausenden ehrenamtlichen Helfern. In studentisch geprägten Städten wie Mainz sind es besonders viele.

Zu schade für die Tonne

Gemeinsam durchstöbern die beiden jungen Frauen eine Kiste mit aussortiertem Salat und Gemüse, bis von dem Aussortierten nicht mehr viel übrig bleibt. „Das ist viel zu schade für die Mülltonne. Viele Lebensmittel, die eigentlich noch gut sind, landen in Deutschland im Müll, weil eine Frucht in der Verpackung nicht mehr gut ist, weil das Gemüse kleine Macken hat oder weil das Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen ist. Gegen diese Verschwendung wollen wir angehen“, sagt Asenjo Fritz und hält wie zum Beweis einen Brokkoli in die Kamera. Keine Frage: Der gehört in den Topf und nicht in die Tonne. Was gesammelt wird, verbrauchen die Foodsaver entweder selbst oder stellen es anderen zur Verfügung. Dafür gibt es auf Foodsharing-Homepage die Möglichkeit, Essenskörbe zu erstellen und hierüber Lebensmittel zu verteilen. Foodsharing Mainz hat zudem eine eigene Facebook-Gruppe mit weit über 10.000 Mitgliedern und betreibt mehrere Entnahmekästen, sogenannte „Fair-Teiler“, die in der Stadt aufgestellt sind. So sollen die Lebensmittel möglichst fair und zeitnah verteilt werden.

Nach der Marktrunde gehen die beiden noch in die WG von Wöhlke in der Mainzer Altstadt. In der Küche werden gemeinsam Äpfel geschnippelt, das eingesammelte Obst wird direkt zu Kompott verarbeitet. Auch das ist typisch für die Lebensmittelretter: Statt Convenience-Food gibt es ziemlich viel Selbstgemachtes. „Oft verabreden wir uns nach unseren Sammeltagen mit Freunden, um gemeinsam zu kochen“, berichtet Asenjo Fritz.
„Ich koche häufig kreativ, ohne Rezept, und kombiniere gerettete Lebensmittel aller Art. Dabei kommt eigentlich immer etwas Leckeres raus. Lust auf Lieferdienste habe ich keine“, erklärt Wöhlke. „Vor allem die frischen Lebensmittel bekomme ich fast ausschließlich über Foodsharing. Was ich sonst noch brauche, kaufe ich im Bioladen, und dabei achte ich dann auch auf die entsprechende Qualität und Herkunft“, sagt Asenjo Fritz. Um mit einem Vorurteil aufzuräumen: Es ist nicht so, dass sich die beiden die Lebensmittel nicht leisten könnten. Hinter Foodsharing steht eine andere Idee. „In jedem Lebensmittel stecken bereits geleistete Arbeit, wertvolle Ressourcen und oft kilometerweiter Transport. Das einfach wegzuwerfen finde ich moralisch falsch, und es belastet zudem die Umwelt und das Klima. Ein Drittel aller Treibhausgasemissionen stammt aus der Landwirtschaft“, erklärt Manuela Asenjo Fritz.

Mirjam Wöhlke (links) und Manuela Asenjo Fritz planen und entwickeln bei juwi Windparks.

Nachhaltigkeit als Lebensmotto

Die zwei juwi-Mitarbeiterinnen ernähren sich seit vielen Jahren weitestgehend vegan, nicht nur aus Mitgefühl für Tiere, sondern auch aus Nachhaltigkeitsgründen. Ohne Zweifel: Die beiden Frauen pflegen einen sehr bewussten Lebensstil, auch bei vielen anderen Dingen. „Natürlich war ich als Jugendliche mit meinen Freundinnen auch mal auf Shoppingtour, aber inzwischen mache ich bei dem klassischen Konsum einfach nicht mehr mit. Meine liebsten Pullis stammen von Flohmärkten“, erzählt Wöhlke. Sie veranstalten Kleidertauschpartys mit Freunden, peppen ältere Kleidungsstücke mit raffinierten Schnitten und Knoten wieder auf, und zur Arbeit fahren sie jeden Tag mit einer Fahrgemeinschaft: Es gibt ziemlich viele Ansatzpunkte, die die beiden Freundinnen für sich gefunden haben, um einen nachhaltigeren Lebensstil zu pflegen.
Es ist deshalb auch kein Zufall, dass die beiden in der Branche der erneuerbaren Energien arbeiten. „Wir haben uns beide sehr bewusst dafür und auch für juwi entschieden“, sagt Asenjo Fritz, die schon während ihres Geografiestudiums in Mainz begonnen hat, als Werkstudentin bei juwi zu jobben. Genauso wie die Wirtschaftsingenieurin Wöhlke hat sie sich im Masterstudium Richtung Umweltmanagement und erneuerbare Energien spezialisiert. Kennengelernt haben sie sich allerdings erst am 1. April 2016. Das war für beide der erste offizielle Arbeitstag bei juwi. Asenjo Fritz kümmert sich als Projektentwicklerin um den gesamten Genehmigungsprozess für Windenergie-Anlagen. „Bevor wir die behördliche Genehmigung erhalten, müssen wir viele Nachweise gerade mit Blick auf naturschutzrechtliche Aspekte erbringen“, erzählt sie. Hin und wieder hat sie auch mit Wöhlke ein gemeinsames Projekt: Die begutachtet nämlich inzwischen die Standortbedingungen für potenzielle Windparks. Die Ingenieurin wertet Windmessungen aus, erstellt Ertragsgutachten, Schall- und Schattenberechnungen und bewertet die Windturbulenzen, denen die Anlagen in 200 Meter Höhe ausgesetzt sind.
Schon seit ihren Studientagen in Kassel begeistert Wöhlke sich für die Technik der Windenergie. Dort ist sie übrigens auch zum ersten Mal so richtig auf das Thema Lebensmittelverschwendung aufmerksam geworden. Kommilitonen hatten sie zum „Containern“ mitgenommen, also dem Durchstöbern von Supermarktcontainern nach genießbaren Lebensmitteln. „Ich war richtig geschockt, was bei Ladenschluss alles in den riesigen Abfallcontainern landet.“ Als sie dann 2016 nach Mainz kam, landete sie fast zwangsläufig beim Thema Foodsharing. Manuela Asenjo Fritz ist noch länger dabei. Bereits im Jahr 2013 begann sie mit dem Lebensmittelretten. Überzeugende Fürsprecherinnen für die gute Sache sind sie beide.

Fakten
    Alleine in Deutschland werden pro Person im Jahr 82 Kilogramm Lebensmittel weggeworfen. Weltweit landen 1,3 Milliarden Tonnen Nahrungsmittel Jahr für Jahr auf dem Müll – das ist ein Drittel aller weltweit produzierten Lebensmittel. Dadurch werden Ressourcen in riesigem Ausmaß verschwendet. Seit 2012 setzt sich die gemeinnützige Initiative Foodsharing gegen die Lebensmittelverschwendung ein. Ihr Ziel: Lebensmittel retten, die ansonsten weggeworfen würden. Inzwischen gibt es nach Angaben der Organisation über 25.000 Freiwillige, sogenannte Foodsaver, in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Mit Foodsharing kooperieren über 3.000 Betriebe, täglich finden etwa 1.000 Abholungen statt. Mehr Informationen: www.foodsharing.de

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