04.12.2017 / Energie-Allee

„Es wird vielfältige Kooperationen geben“

Mit der Energiewende geht nicht nur eine technologische Wende einher, sondern auch ein Umbruch in der Betreiberstruktur. Aus einem Monopolmarkt ist einer mit vielen Marktteilnehmern geworden. Prof. Uwe Leprich, Leiter der Abteilung Klimaschutz und Energie

Prof. Leprich
Prof. Dr. Uwe Leprich ist Abteilungsleiter für Klimaschutz und Energie im Umweltbundesamt. Er studierte Volkswirtschaftslehre an der Universität Bielefeld, wo er auch promovierte. Nach dem Studienabschluss war er zehn Jahre als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Öko-Institut in Freiburg tätig. 1995 trat er eine Professur an der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes an. Bis zu seinem Wechsel zum Umweltbundesamt am 1. April 2016 war er wissenschaftlicher Leiter des Instituts für ZukunftsEnergieSysteme (IZES) in Saarbrücken. Prof. Leprich bewertet hier nicht stellvertretend für das Umweltbundesamt, sondern äußert seine private Expertenmeinung.

Herr Professor Leprich, der Anteil erneuerbarer Energien an der Bruttostromerzeugung ist auf rund ein Drittel gestiegen. Welche Eigentümergruppen haben für das Wachstum bei den regenerativen Energieerzeugungsanlagen gesorgt?

Ich verfüge hier über keine aktuellen Marktanalysen, aber bis vor einigen Jahren hatten insbesondere Einzelpersonen wie Landwirte, Kleinunternehmen wie Genossenschaften und Projektierer einen großen Anteil an dieser dynamischen Entwicklung. Ob das in den letzten zwei bis drei Jahren auch noch so war, wage ich zu bezweifeln, da doch immer mehr institutionelle Anleger und auch die etablierte Energiewirtschaft die Erneuerbaren entdeckt und kräftig investiert haben.

Die Bürgerenergie spielt eine wesentliche Rolle beim Ausbau der Erneuerbaren. Wird das im künftigen Energiesystem so bleiben?

Nach der letzten Ausschreibung für Wind-Onshore-Anlagen stellt sich natürlich die Frage, was eigentlich Bürgerenergie ist. Wenn Sie darauf abheben, dass die oben erwähnten kleineren Akteure mit ihren Investitionen zum Zuge kommen sollten, bin ich eher skeptisch: Die uns von der EU diktierten Ausschreibungen bevorzugen nicht zuletzt aufgrund der Möglichkeiten zur Risikostreuung größere Anbieter. Das können allerdings beispielsweise auch Genossenschaftsverbände sein, die sich zu diesem Zwecke zusammenschließen.

Schauen wir auf die institutionellen Investoren. In der aktuellen Niedrigzinsphase wird viel Anlagekapital in Erneuerbare-Energien-Projekte investiert. Droht mit steigenden Zinsen ein Ende dieser Entwicklung?

Nein. Zum einen erwarte ich nicht, dass die Zinsen im Euroraum in absehbarer Zeit signifikant ansteigen – dafür schwächeln die Wirtschaften in Südeuropa noch zu stark. Zum anderen wächst bei den Investoren immer rascher die Einsicht, dass Investitionen in nachhaltige Anlagen mit deutlich weniger Risiken behaftet sind und insofern auf Dauer eine sicherere Rendite erbringen als problembehaftete Investments. Schließlich handelt es sich bei diesen Investments um solche in einen weltweit boomenden Multimilliarden-Euro-Markt, der es ermöglicht, länderübergreifend Risiken zu streuen. Und hier dürften Investments in Deutschland auf lange Sicht aufgrund der hohen Rechtssicherheit und der politischen Stabilität hoch im Kurs stehen.

Welche Rolle kommt den klassischen Energieversorgern im Bereich der Erneuerbaren zu?

Die großen und kapitalstarken Energiekonzerne werden sich in erster Linie auf die kapitalintensiven Offshore-Windparks und große Onshore-Windparks konzentrieren, was nicht den größten Teil des Kuchens ausmachen wird. Wenn Sie unter „klassischen“ Energieversorgern auch die Stadtwerke und Regionalversorger verstehen, so wird es hier vielfältige Kooperationen mit Projektierern, Genossenschaften und Kleingesellschaften geben, sodass die strikte Trennung zwischen klassischen und neuen Akteuren im Energiesektor verschwimmen dürfte.

Werfen wir noch einen Blick auf die ehemals „großen Vier“. Sie haben deutlich an Marktdominanz eingebüßt, engagieren sich aber nun umso stärker im Bereich der Erneuerbaren. Ist in den nächsten Jahren wieder eine dominierende Stellung der großen Energieversorger zu erwarten?

Zunächst einmal ist es zu begrüßen, dass die großen Energiekonzerne die Zeichen der Zeit erkannt haben und ihre Geschäftsmodelle den Herausforderungen der Erneuerbaren-Zukunft anpassen. Ich erwarte allerdings nicht, dass sie noch einmal auch nur annähernd eine solche Marktmacht erlangen werden, wie sie sie einmal hatten. Dagegen spricht zum einen, dass die Dezentralität vieler Anlagen einer mittelständischen Akteursstruktur entgegenkommt, wie sie sich ja in den letzten Jahren bereits erfolgreich entwickelt hat. Zum anderen leben die Erneuerbaren auf Dauer von der Akzeptanz und von vielfältigen Partizipationsmöglichkeiten vor Ort – mithin kein aussichtsreiches Geschäftsmodell für Großkonzerne.


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