26.05.2017 / Energie-Allee

Gewachsenes Vertrauen

Pachtverträge für Windpark-Flächen werden über Jahrzehnte abgeschlossen. Die Höhe der Pacht ist dabei nicht der einzige Aspekt. Ein Landwirt und ein Waldbesitzer berichten von ihren Erfahrungen.

Rainer Reschka (links) und Hans Burckhart im Garten des Bauernhofs in Oberhausen im rheinlandpfälzischen Donnersbergkreis.

Wenn Hans Burckhart in seinem Hof in Oberhausen im rheinlandpfälzischen Donnersbergkreis steht, dann kann er sehen, wie sich oben auf dem Bergrücken die Rotorblätter der Windmühlen drehen. „Mich freut das. Es ist wichtig für die Investoren und wichtig für uns alle“, erzählt Burckhart. Die Mühlen auf dem Berg sind auch seine Mühlen, selbst wenn er an den Anlagen nicht beteiligt ist. Aber eine davon steht auf seinem Acker. Zusätzlich hat er auch Abstands- und Ausgleichsflächen an juwi verpachtet.

„Als Landwirt bekommt man nur eine kleine Rente; mir und meiner Frau sichern die Pachteinnahmen den Ruhestand ab“, erzählt der 66-Jährige. Im vergangenen Jahr ist er in Rente gegangen. Seine Flächen werden jetzt von anderen Landwirten bewirtschaftet, auch die, auf der die Vestas V112 steht. Auf dem Acker wird weiterhin Getreide angebaut, so wie Burckhart selbst es auch schon gemacht hat. Der Landwirt a.D. hat noch einen Traktor auf seinem Hof stehen. Er kümmert sich weiterhin um einige Streuobstwiesen – und er gibt Musikunterricht. Das hat er schon immer gemacht, die Musik ist seine Passion und sein zweites Standbein. „Vor allem die musikalische Arbeit mit Behinderten ist mir sehr wichtig, die möchte ich weiterführen“, erzählt er.

Erster Pachtvertrag im Jahr 1997

Vor einigen Jahren ist Burckhart auch auf einem Windpark-Fest von juwi aufgetreten. Mit dem Unternehmen aus Wörrstadt verbindet ihn ohnehin viel – weit mehr als die Pachtverträge, die er in einem grauen Ordner aufbewahrt. Besuchern erzählt Burckhart mit Begeisterung von den Anfängen der Windenergie im Donnersbergkreis. „Wir haben schon damals, als juwi hier sein allererstes Windrad auf dem Schneeberger Hof gebaut hat, das Ganze mit viel Interesse verfolgt. Unsere Generation hat Tschernobyl miterlebt, und wir hören immer wieder von den Störungen aus dem französischen Atomkraftwerk Cattenom. Das ist nicht viel mehr als 100 Kilometer von hier entfernt. Da macht man sich schon so seine Gedanken. Für mich ist Windenergie etwas Gutes.“

Als juwi-Firmengründer Matthias Willenbacher bei der Familie Burckhart im Jahr 1997 anklopfte, stieß er auf offene Türen. Noch im gleichen Jahr unterschrieb Hans Burckhart seinen ersten Pachtvertrag mit juwi. Erst stand ein Windmessmast auf seinem Feld, ein Jahr später dann schon die erste Anlage. „Der Pachtvertrag bestand damals aus drei Schreibmaschinenseiten.“ Heute sind es 30. Die Welt der Windenergie ist komplexer geworden. Vor allem wegen des aufwendigen Genehmigungsverfahrens vergehen zwischen Pachtvertrag und Anlagenbau heute mehrere Jahre.

Die ersten Anlagen auf Burckharts Grundstück wurden im Zuge eines Repowering-Projekts längst abgebaut. „Ich war schon skeptisch, ob wirklich das komplette Fundament verschwindet. Aber juwi hat den gesamten Beton wieder aus der Erde herausgeholt.“ seitdem die kleineren durch größere Anlagen ersetzt wurden, ist Rainer Reschka der Ansprechpartner für die Familie Burckhart. Er ist einer der erfahrensten Außendienstmitarbeiter des Unternehmens, seit 15 Jahren spricht er mit Grundstücksbesitzern über Pachtverträge. „Wir haben uns von Anfang an gut verstanden und für jedes Thema immer eine gute Lösung gefunden“, erzählt Burckhart. Wenn der juwi-Mitarbeiter heute auf dem Hof der Burckharts vorbeischaut, dann wird er wie ein guter Bekannter begrüßt. Hans Burckhart und Rainer Reschka wissen, dass sie sich aufeinander verlassen können.

Windenergie hilft, Waldwirtschaft fortzuführen Reschkas Kollege Volker Wilhelm ist für juwi vor allem in Hessen unterwegs. Hier sind es insbesondere die Mittelgebirgsregionen mit ihren großen Waldgebieten, in denen Potenzial für die Windenergie liegt. „Forstwirtschaftlich genutzte Flächen mit einem hohen Anteil an Fichten und Flächen, die vom Windwurf betroffen sind, sind für die Windenergie interessant“, erklärt Wilhelm. Der Geograf hat heute einen Termin in Lauterbach im Vogelsbergkreis. Die örtliche Burg mitten in der Kleinstadt ist Sitz der Center-Forst GmbH, die über mehrere Bundesländer verteilt 24.000 Hektar Wald bewirtschaftet. Wilhelm trifft sich mit Geschäftsführer Henning Graf von Kanitz und einem der Waldeigentümer, Henn-Wolfram Riedesel Freiherr zu Eisenbach. Für den adligen Waldbesitzer ist die Forstwirtschaft eine Familientradition, die bis ins 15. Jahrhundertzurückreicht. „Wir denken in Generationen. Nachhaltigkeit ist neben dem Vermögenserhalt für uns ein wesentlicher Wert“, erklärt er. Dieser vorausschauende Blick hat mit den langen Zyklen in der Forstwirtschaft zu tun: Eine Fichte muss 70 Jahre wachsen, eine Buche 110 Jahre, bis sie forstwirtschaftlich genutzt werden kann. Wenn dann schwere Stürme wie Wiebke oder Kyrill innerhalb von Stunden große Waldflächen vernichten, ist das für einen forstwirtschaftlichen Betrieb eine Katastrophe.

„Wir haben schon vor vielen Jahren angefangen, neue Geschäftsfelder als Ergänzung zur klassischen Forstwirtschaft zu erschließen“, berichtet von Kanitz.

 

 

„Man muss sich davor hüten, sich von einem hohen Pachtpreis blenden zu lassen.“
Henning Graf von Kanitz, Geschäftsführer Center-Forst

Von links: Waldeigentümer Freiherr zu Eisenbach, juwi-Mitarbeiter Wilhelm und Geschäftsführer von Kanitz.

Dazu gehört ein Friedwald, in dem Menschen ihre letzte Ruhestätte finden können. Und dazu gehört auch die Windenergie. Sie hilft, die Waldwirtschaft als Tradition fortzuführen. Die Center-Forst GmbH erwirtschaftet inzwischen 50 Prozent ihrer Einnahmen außerhalb der klassischen Holzwirtschaft. Um bestimmte Teile des Waldes für die Windenergie zu öffnen, mussten die beiden bei den Waldeigentümer-Familien Überzeugungsarbeit leisten.

„Ich bin ein sehr naturverbundener Mensch, deshalb war ich auch von Anfang an für die Windenergie. Sie ist ein Beitrag zum Klimaschutz und damit zum Erhalt der Natur“, sagt Freiherr zu Eisenbach. Er und von Kanitz kennen die Diskussionen um Windenergie im Wald. „Der Wald in Deutschland ist seit Jahrhunderten ein bewirtschafteter Kulturwald, um den wir uns als forstwirtschaftlicher Betrieb kümmern. Wenn man den Wald sich selbst überlassen würde, dann würden sich die meisten Menschen wahrscheinlich beschweren, weil er komplett zuwuchern würde“, erläutert von Kanitz.


Kompetenz und Solidität spielten wichtige Rolle

Er hat sich tief in die Thematik Windenergie eingearbeitet und sich sehr systematisch damit auseinandergesetzt, wer der richtige Partner für das Thema sein könnte. „Man muss sich davor hüten, sich von einem hohen Pachtpreis blenden zu lassen. Was nützt uns der Preis auf dem Papier, wenn das Projekt nie umgesetzt wird?“, erklärt der Geschäftsführer. Natürlich spielte ein marktfähiger Pachtpreis eine Rolle, aber Kompetenz und Solidität waren für den studierten Forstwirtschaftler bei der Auswahl eines Projektentwicklers ebenso wichtig. „Ich weiß nicht, ob ein anderes Unternehmen als juwi die Projekte mit so hoher Energie betreiben würde“, erklärt von Kanitz. Auf den Center-Forst-Waldflächen in Ludwigsau im Landkreis Hersfeld-Rotenburg hat juwi inzwischen sieben Anlagen umgesetzt. 2016 wurde die Einweihung gefeiert.

„Für uns ist es auch wichtig, wie sich ein Unternehmen darstellt, mit welchen Menschen wir es zu tun haben“, sagt von Kanitz. Mit Wilhelm arbeiten sie seit 2012 zusammen. „Wir haben seit vielen Jahren einen festen Ansprechpartner, an den wir uns mit unseren Themen wenden können. Das ist ein großer Vorteil.“


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