23.10.2017 / Energie-Allee

Held der Schotterpiste

Marco Neef plant Windparks für juwi. In seiner Freizeit schlägt sein Herz für historische Rennräder und Vintage-Rennen. In beiden Welten braucht es Leidenschaft und Ausdauer, um ans Ziel zu kommen.

Die Sonne brennt. Zwischen den Weizenfeldern steht die Luft. Die Temperatur kratzt an der 30-Grad-Marke. Marco Neef tritt noch einmal kräftig in die Pedale, über Kopfsteinpflaster geht es vorbei am Windpark Mainz, einem seiner ersten Projekte bei juwi. Einen letzten Anstieg muss der 42-jährige Projektmanager mit seinem Rennrad noch meistern, dann erreicht er das Zwischenziel seiner Trainingsrunde, einen kleinen Rastplatz zwischen den rheinhessischen Gemeinden Klein-Winternheim und Hechtsheim. Sein Studienfreund Thorsten Bär wartet bereits auf ihn. Beide sind Rennradenthusiasten. Mit modernen Areo- oder Ultraleicht-Bikes können sie aber nichts anfangen. Ihr Herz schlägt für den Radsport längst vergangener Epochen – für das Abenteuer und den Sportsgeist, wie es ihn zu Zeiten eines Eddy Merckxoder der beiden italienischen Radsportlegenden Fausto Coppi und Gino Bartali noch gab, jene goldene Epoche der großen Radchampions, die Karbonrahmen, Scheibenbremsen und Kompaktschaltungen noch nicht kannten. Dafür kiloschwere Stahlrahmen, kratzige Wolltrikots und Strapazen bei jedem Berganstieg. „Ich mag den Charme der alten Räder und die Idee, ihnen wieder Bedeutung und Wertigkeit zukommen zu lassen“, begründet Marco Neef seine über die Jahre gewachsene Leidenschaft für historische Rennräder. Vor allem für jene aus den 1970er-Jahren. Ob aus kleinen Radmanufakturen ehemaliger Tour-Helden oder von großen Herstellern wie Bianchi oder Peugeot, in dieser Zeit entstand eine Vielzahl einzigartiger, eleganter und ästhetischer Rennräder. „Diese originalgetreu wieder herzurichten und den Charme dieser Epoche zu bewahren macht riesig Spaß.“ Dem ewigen „Höher, schneller, weiter“ des modernen Rennsports will Neef nicht hinterherhecheln.

Feines Fahrrad: Mit dem Peugeot PX10 wurden einst Siege bei der Tour de France errungen.

Auf dem Sattel einer Legende

Dazu wäre sein Peugeot PX10, ein Klassiker aus dem Jahr 1975, auch nicht mehr imstande. Für viele Jahre war es aber das Topmodell im Peugeot-Rennradprogramm und eines der populärsten Rennräder seiner Zeit. Mehreren Fahrern verhalf das Rad zum Tour-de- France-Titel. Bei der diesjährigen Eroica wird es Marco Neef wieder über die Hügel der Toskana tragen. Das populäre Vintage-Rennen rund um den kleinen Ort Gaiole im Chianti ist für den leidenschaftlichen Hobbyrennfahrer der Höhepunkt des Jahres und das Ziel seiner Vorbereitung. Zum vierten Mal wird Marco Neef im 25 Mitarbeiterporträt Oktober die „strade bianche“, die alten, weißen Schotterpisten inmitten des berühmten Rotweingebiets zwischen Florenz und Siena in Angriff nehmen. Vorbei an Dörfern, kleinen Kirchen und steinernen Gutshöfen, durch Weinberge, Olivenhaine und entlang zypressengesäumter Alleen. „Das bewusste Erleben und Genießen der Landschaft, das Abtauchen in eine vergangene Epoche machen dieses Rennen zu einem unvergesslichen Erlebnis“, schwärmt der Vintage-Fan von der Tour. Neben dem Abtauchen in die Vergangenheit des Radsports mit ihren knallbunten Trikots und den längst vergessenen Teams, Marken und Sponsoren ist es vor allem die körperliche Erfahrung, die Neef zur Tour in die Toskana zieht. Denn gemeistert werden müssen die Strecken von allen Teilnehmern auf Rädern, die vor 1987 gebaut wurden. Das heißt: Stahlrahmen, externe Seilzugbremse, Unterrohrschalthebel, Pedale mit Pedalhaken und Laufräder mit 32 Speichen. Hinzu kommen die blecherne Trinkflasche und natürlich Kleidung aus derselben Zeit – sprich Wolltrikot statt atmungsaktivem Funktionstextil. Das einzige Zugeständnis an die Moderne ist ein Helm.

Nach 16 Jahren über die Ziellinie

Ausdauer und langen Atem braucht Marco Neef aber auch im Berufsleben. Seit sechs Jahren plant er für juwi Windenergie-Projekte, vor allem in Rheinland- Pfalz und im Saarland. Dass die Planungen auch einmal länger dauern können, weiß er nur zu gut. Sein letztes Projekt nahe der Gemeinde Kalenborn im Landkreis Cochem-Zell war der Windpark mit der wohl längsten Vorlaufzeit der juwi-Historie.

Ausdauer auch im Beruf: Marco Neef (Mitte) konnte im Frühjahr den Windpark Kalenborn einweihen.

Sage und schreibe 16 Jahre dauerte es, bis die drei Windräder in der Eifelgemeinde realisiert werden konnten. Dazwischen lag ein Bürgervotum pro Windenergie, die Aufstellung eines Flächennutzungsplans im Jahr 2005, dessen Revision durch das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig drei Jahre später und die anschließende Neuausweisung geeigneter Windvorrangflächen durch die Verbandsgemeinde Kaisersesch im Jahr 2012. Auch der Schwarzstorch mischte zum Schluss noch mit. „Letzten Endes konnten wir die Anlagen aber Ende 2016 in Betrieb nehmen“, sagt Neef – sichtlich erleichtert, dass sich der Einsatz und die Ausdauer seines Projektteams über die Jahre ausgezahlt haben. Vor wenigen Wochen feierten alle gemeinsam die Einweihung der Anlagen mit einem großen Windpark- Fest. Wie beim Radrennen kommt es auch bei der Planung von Windparks auf Teamarbeit, Ausdauer und jede Menge Energie an. Energie wird Marco Neef auch für seinen Sommerurlaub benötigen. Denn mit seinen Mannschaftskollegen vom Team „Stahlrad-Racing-Mainz“ zieht es ihn nach Verona. Natürlich auf dem Fahrrad. Gestartet wird in Füssen. Dann geht es einmal quer über die Alpen – entlang der Via Claudia Augusta und über den Reschenpass. „Das ist nicht nur eine wunderbare Tour, sondern auch eine super Vorbereitung. Danach müssten wir eigentlich fit genug sein, um die große Runde der Eroica in Angriff nehmen zu können“, sagt er und schmunzelt. Die große Runde, das sind immerhin 209 Kilometer, 110 davon auf nicht geteerten Schotterpisten. 3.251 Höhenmeter muss er dann auf seinem Peugeot überwinden. An mangelndem Durchhaltevermögen sollte es nicht scheitern. Bleibt nur zu hoffen, dass er für sein nächstes Windenergie-Projekt nicht ähnlich viel Ausdauer benötigt wie für sein letztes.

Fakten

    Das Radrennen L'Eroica


    Die Geschichte:
    Das erste Vintage-Rennen in der Toskana fand 1997 statt. Initiator war Giancarlo Brocci, der mit dem Rennen an die Emotionen und das Erbe der großen italienischen Radklassiker anknüpfen wollte. Zugleich wollte er mit der Veranstaltung für den Erhalt der alten Schotterstraßen des Chianti kämpfen. 92 „Helden“ folgten seinem Aufruf. Zehn Jahre später waren es bereits 899. Im vergangenen Jahr gingen mehr als 8.000 Radsportverrückte an den Start.
    Die Routen:
    Fünf Routen mit unterschiedlichem Streckenprofil stehen zur Auswahl – von der 46 Kilometer langen Vergnügungsfahrt bis zur großen Schleife mit 209 Kilometern Länge.
    Das Programm:
    Während des Rennwochenendes verwandelt sich der ganze Ort in eine große Freiluftbühne. vor allem der riesige Ersatzteilemarkt ist ein wahrer Hingucker. Vom Bremsklotz bis zum Trikot gibt es alles, was das (Vintage-)Radlerherz begehrt.
    www.eroicagaiole.com

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