26.05.2017 / Energie-Allee

Zwischen Traumpfaden und windigen Höhenlagen

Urwüchsige Natur, Panoramablicke und viel frischer Wind. Die Vulkaneifel ist bei Wanderern und Energieerzeugern gleichermaßen beliebt. Während Erstere sich die landschaftliche Idylle über „Traumpfade“ erschließen können, zieht es die Erzeuger von sauberem

Bürgermeister Werner Arenz und seine Gemeinde Kalenborn haben um ihren Windpark gekämpft.

Es ist Frühjahr 2017. Ortsbürgermeister Werner Arenz steht im Windpark nordöstlich seiner Eifelgemeinde. So richtig glauben kann er es noch nicht. Aber sie drehen sich tatsächlich. Drei Windräder. Jedes 200 Meter hoch. Zusammen produzieren sie jährlich sauberen Strom für 8.000 Haushalte. Der Windpark ist so etwas wie Arenz’ Baby. 16 Jahre lang kämpfte er im Auftrag der Kalenborner Bürgerinnen und Bürger für den Anlagenstandort. „Man braucht viel Geduld und Energie, um ein solches Projekt umzusetzen“, sagt er und lässt den Blick schweifen über die Weite der Landschaft. Eine Landschaft, geprägt von den Elementen Feuer, Wasser und Wind. Die vielen erloschenen Vulkane, die Maare und Seen der Region belegen das Spiel der Elemente auf eindrucksvolle Weise.

Zugig geht es vor allem auf den Berggipfeln zu. Eifelwind ist die Ressource, durch die die Region zu einem wichtigen Stromerzeuger in Zeiten der Energiewende geworden ist. Mittlerweile drehen sich mehr als 500 Windräder zwischen Aachen und Trier. Die Gemeinde Kalenborn wollte bereits früh ihren Beitrag zum Gelingen der Energiewende leisten. Der Weg bis zur ersten eingespeisten Kilowattstunde aus dem Windpark vor der Haustür sollte jedoch ein langer werden.

Am Anfang, im Jahr 2000, stand ein klares Votum der Gemeinde pro Windenergie. Was dann folgte, war eine jahrelange Hängepartie um die im Flächennutzungsplan nicht berücksichtigten Wind-Eignungsgebiete auf der Gemarkung Kalenborns. Beendet wurde sie erst letztinstanzlich vor Gericht. Das Bundesverwaltungsgericht erkannte, wie auch Bürgermeister Arenz, in der Nichtberücksichtigung potenziell geeigneter Flächen auf Kalenborner Gemarkung eine Verhinderungsplanung der Verbandsgemeinde. Das ist unzulässig. 2008 revidierte das Gericht den Flächennutzungsplan.

Alles wieder auf Anfang

Mit Unterstützung der Verbandsgemeinde Kaisersesch wurde ein neuer Plan auf den Weg gebracht – diesmal mit den von der Gemeinde Kalenborn vorgesehenen Flächen. Schließlich hatte die Eifelkommune in der Hoffnung auf einen Windpark einige von Orkan
Wiebke im Jahr 1990 verwüstete Waldflächen extra nicht wieder aufgeforstet. „Es ist ein sehr guter Platz“, sagt Arenz. „Der Wind hat ihn für uns geräumt.“ 2012 wurden diese Standorte im Flächennutzungsplan bestätigt.

Doch dann kamen Schwarzstorch und Uhu. Beide Vogelarten gelten als windkraftsensibel und genießen Schutzstatus. „Also mussten wir die Planung erneut anpassen“, erinnert sich der Bürgermeister. Unterstützung hierbei erhielt die Gemeinde von juwi-Projektmanager Marco Neef: „Wir haben eine Raumnutzungsanalyse durchgeführt und aufzeigen können, dass die Vögel nur sehr selten über die Windräder fliegen. Der Windpark stellt daher keine Barriere dar.“ Ein wichtiges Signal für Arenz. „Denn der Windpark sichert die Zukunftsfähigkeit unseres Ortes.“

Langjähriger Pachtvertrag als nachhaltige Investition

Für die 200-Einwohner-Gemeinde hat sich der Windpark bereits jetzt gelohnt. Sie erhielt eine Einmalzahlung. Zudem partizipiert sie am Betrieb der Anlagen. Die zwischen juwi und der Gemeinde ausgehandelte Pacht setzt sich zusammen aus einem Garantie- und einem Erfolgsanteil. Diese verbleiben direkt im Haushalt der Gemeinde. Aber auch die Nachbargemeinden wie Hauroth, Bermel, Urmersbach oder Kaisersesch, durch die die Stromtrasse verlegt wurde oder über deren Gemarkung die Erschließung des Windparks erfolgt, werden finanziell beteiligt.

„Man braucht viel Geduld und Energie, um ein solches Projekt umzusetzen.“

Werner Arenz, Bürgermeister von Kalenborn

Für die Bürgerinnen und Bürger ist der Windpark ebenfalls ein Erfolg. Anlässlich seiner Inbetriebnahme boten die Raiffeisenbank Eifeltor eG und juwi den Einwohnern die Möglichkeit, am wirtschaftlichen Erfolg der Windräder teilzuhaben. Das Interesse am „Festgeld mit Energie“ war riesengroß. Bis zum Ende der Frist hatten die Bürger das komplette Kontingent von 450.000 Euro gezeichnet. „Der Ortsgemeinde und juwi war es von Anfang an wichtig, dass die Bewohner am Erfolg der Energiewende partizipieren können“, sagt Arenz.
Das bürgerliche und kommunale Engagement für den Windpark freut auch den Betreiber des Windparks, den südhessischen Energiedienstleister GGEW mit Sitz in Bensheim. „Der Windpark ist unsere bisher größte Einzelinvestition in erneuerbare Energien. Das Projekt unterstreicht zugleich unsere Ambitionen, unsere regenerativen Erzeugungskapazitäten in den kommenden Jahren deutschlandweit zu verdoppeln“, betont Florian Grob, Leiter Erneuerbare Energien bei der GGEW AG.

Dank der Ausgleichsmaßnahmen für den Windpark sind mittlerweile auch fast alle Wunden im Wald, die Orkan Wiebke riss, verschwunden – ein wichtiger Beitrag für den heimischen Artenschutz. In enger Abstimmung mit den Gemeinden, dem Forst und den zuständigen Naturschutzbehörden wurden zudem neue Lebensräume für Fledermäuse angelegt. Für ein Schwarzstorchhabitat übernimmt juwi die Biotoppflege. Mehr als 100.000 Euro hat das Unternehmen in den Schutz und den Erhalt der Flora und Fauna vor Ort investiert. Indirekt trägt der Windpark auch zum Hochwasserschutz der im Tal liegenden Gemeinde bei. Denn beim Wegebau wurden vorhandene Fließwege in den Wald umgeleitet. So gelangt im Falle von Starkregenereignissen weniger Wasser nach Kalenborn.
An Träumen festhalten lohnt sich also. Das zeigt der Windpark in besonderer Weise. Auch wenn es gelegentlich etwas länger dauert, bis sie in Erfüllung gehen.

Weitere Infos:
Am 11. Juni feiern juwi und die Gemeinde Kalenborn zur Einweihung des Windparks ab 13 Uhr ein Windpark-Fest.
Weitere Informationen zu den Wanderwegen der Region Rhein-Mosel-Eifel finden Sie unter www.traumpfade.info

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