11.05.2020 / Energie-Allee

Das Comeback

Dank rapide gesunkener Kosten ist die Solarbranche in ganz Europa wieder auf dem Vormarsch. Wer, wie juwi, an das Potenzial der Sonne geglaubt hat, profitiert nun – auch mit ganz neuen Vertriebsmodellen.

Timo Brühl, Leiter Solar-Projektentwicklung Deutschland

Der Ausbau der Solarenergie in Deutschland ist so sinnvoll wie Ananas züchten in Alaska.“ Diese markigen Worte sprach der ehemalige RWE-Chef Jürgen Großmann auf einer Jahrestagung des Handelsblatts im Januar 2012. Das ist gerade mal acht Jahre her – und doch erscheint es wie aus einer anderen Zeit. Inzwischen gehört die Solarenergie zu den günstigsten Formen der Stromerzeugung, und zwar nicht nur in Äquatornähe.

In einer im März 2018 veröffentlichten Studie ermittelte das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE für PV-Anlagen in Deutschland Stromgestehungskosten zwischen 3,71 und 11,54 Cent pro Kilowattstunde, für größere Freiflächenanlagen lag die Obergrenze bei unter sieben Cent. Das globale Wachstum des Solarsektors hat die Preise für Module, Wechselrichter und Co. rasant sinken lassen, Tendenz weiter fallend. Für 2035 prognostiziert das Fraunhofer-Institut für Freiflächenanlagen Stromgestehungskosten zwischen 2,16 und 3,94 Cent pro Kilowattstunde. Nachdem die schwarz-gelbe Bundesregierung mit der EEG-Novelle 2012 eine Vollbremsung verursacht hat, zieht der Markt seit zwei Jahren wieder spürbar an. Zwischen 2014 und 2017 dümpelten die Zubauzahlen konstant unter 2.000 Megawatt Leistung herum. Die Trendwende kam 2018 mit einer Neuinstallation von fast 3.000 Megawatt, 2019 waren es schon fast 4.000 Megawatt.

Der juwi-Mitarbeiter Timo Brühl hat das Auf und Ab des Solarsektors in Deutschland live miterlebt. Seit 2010 entwickelte er Solarprojekte für juwi in Deutschland, seinen vorerst letzten Solarpark realisierte er im Jahr 2013 im rheinhessischen Freimersheim, rund 40 Kilometer südwestlich von Mainz. Es war der letzte Solarpark in Deutschland überhaupt, den juwi für lange sechs Jahre gebaut hat. 2013 war die Krise längst da, Hersteller und Projektentwickler mussten reihenweise Insolvenz anmelden. Brühl hatte das Glück, dass er mit juwi einen Arbeitgeber hatte, der breiter aufgestellt war als die meisten. Er nutzte die Chance und wechselte ins Windgeschäft von juwi. Als Projektmanager verantwortete er den Bau von vier Windparks mit zusammen rund 50 Megawatt. Den PV-Markt hat er freilich nie aus den Augen verloren.

„Ich war schon immer ein Solari, deshalb hat es mich auch in den Bereich zurückgezogen.“ Timo Brühl, Leiter Solar-Projektentwicklung Deutschland

Schon 2017 bemerkte er, dass wieder Bewegung in den deutschen Solarmarkt kommt, und im Jahr 2018 wagte er dann den Vorstoß, fand offene Ohren bei seinen Vorgesetzten und präsentierte schließlich dem juwi-Vorstand ein Konzept für den Wiedereinstieg in das Solargeschäft. Inzwischen leitet Brühl die Solar-Projektentwicklung von juwi in Deutschland und hat mit seinem kleinen Team im vergangenen Jahr die ersten beiden Projekte nach dem Wiedereinstieg realisiert – darunter einen Zehn-Megawatt-Park für eines der größten Braunkohleunternehmen in Deutschland, die LEAG. So ändern sich die Zeiten.  Für juwi war der Wiedereinstieg ins deutsche Solargeschäft auch deshalb relativ schnell machbar, weil das Unternehmen eigentlich nie so ganz raus war: das Betriebsführungs-Geschäft, die großen internationalen Solarprojekte und nicht zuletzt die Mitarbeiter, die zwischenzeitlich eben andere Themen bearbeitet haben.

Technologischer Fortschritt und neue Marktmodelle
Timo Brühl steht im Solarpark Freimersheim, den er zuletzt 2013 in der Bauphase gesehen hat. „Heute könnten wir auf derselben Fläche rund 50 Prozent mehr Sonnenenergie ernten“, erklärt er. Leistungsstärkere Module und die Möglichkeit, über bifaziale Module auch Licht über die Modulrückseite in Energie umzuwandeln, machen es möglich. Der technologische Fortschritt in der Solartechnologie ist beachtlich. Doch nicht nur der. Inzwischen sind längst auch neue Geschäftsmodelle auf dem Markt, die klassische EEG-Vergütung ist nur eine von mehreren Optionen. „Wir haben seit dem Wiedereinstieg in den PV-Markt neue Flächen für rund 450 Megawatt gesichert, und davon auch einige Flächen, die gar nicht mehr EEG-tauglich sind, weil sie den Kriterien für zulässige Solarfreiflächen innerhalb des EEG nicht entsprechen. Das müssen sie auch gar nicht, es gibt Alternativen“, sagt Brühl.

In Metzdorf in Brandenburg arbeitet juwi derzeit mit Hochdruck an einem solchen Alternativprojekt. 2011 hatte juwi dort, rund 50 Kilometer nordwestlich von Frankfurt (Oder), bereits einen Freiflächen-Solarpark auf einer ehemaligen Entenmast-Anlage gebaut und damals eine angrenzende Fläche mitgesichert. Auf der soll noch in diesem Jahr ein zweiter Solarpark mit 7,8 Megawatt Leistung entstehen. Es ist für juwi in Deutschland ein Pilotprojekt: Das Projekt wird komplett außerhalb des EEG abgewickelt, so viel steht schon fest. „Mit unserem Mutterkonzern MVV aus Mannheim haben wir das energiewirtschaftliche Know-how eines großen Stromvermarkters im Haus und planen Projekte, die sich über Stromabnahme-Verträge, also PPAs, finanzieren“, berichtet Brühl. Für das Projekt in Metzdorf ist dies eine von mehreren Optionen.

Inzwischen zeigen auch eine ganze Reihe von Energieversorgern Interesse an einer direkten Übernahme von Solarparks, ohne dass dafür zwingend noch eine EEGVergütung notwendig wäre. Die Entscheidung, nach welchem der neuen Marktmodelle das Projekt in Metzdorf realisiert werden soll, fällt in den nächsten Wochen. Mit der Umsetzung des Projekts in Metzdorf würde für juwi in Deutschland eine neue Zeitrechnung beginnen, da ist sich Timo Brühl sicher. Nicht nur das Marktumfeld, auch die politischen Rahmenbedingungen sind günstig, wenn man mal von dem kleinlichen Geschacher um den Solardeckel absieht. In Deutschland hat das Kabinett Anfang des Jahres den Kohleausstieg endgültig besiegelt, in Europa ist der Green Deal zum zentralen Projekt der neuen EU-Kommission auserkoren. Beim Umbau der Wirtschaft und der Energieerzeugung spielt die Solarenergie eine zentrale Rolle. Das hat auch die Politik inzwischen erkannt.

Griechische Erfolgsgeschichte
Berlin, Anfang März 2020, Deutsch-Griechisches Wirtschaftsforum: Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel sichert ihrem griechischen Amtskollegen, Premierminister Kyriakos Mitsotakis, die Unterstützung der deutschen Wirtschaft bei der Umsetzung zentraler Regierungsprojekte zu. Ganz oben auf dieser Agenda steht Griechenlands Green New Deal: der Ausstieg aus der Kohleverstromung bis zum Jahr 2028 bei gleichzeitigem Ausbau der Erneuerbaren, vor allem der Wind- und Solarenergie. Ein Leuchtturmprojekt dieser Zusammenarbeit sei Griechenlands größtes Erneuerbare- Energien-Projekt, lobt Kyriakos Mitsotakis und verweist auf den Solarpark Kozani, den juwi rund 120 Kilometer südwestlich der Stadt Thessaloniki errichten wird. Käufer und künftiger Betreiber ist der griechische Ölkonzern Hellenic Petroleum. Drei Wochen zuvor unterzeichneten Vertreter beider Unternehmen den Kaufvertrag in Athen.

Denn der Projektabschluss steht symbolisch für den Wiederaufstieg einer der wichtigsten Energiequellen des Landes, der Solarenergie.

Rückwirkende Kürzungen und Einbruch des Marktes
Wie sein deutsches Pendant legte auch der griechische Solarmarkt ab dem Jahr 2013 eine ziemliche Bruchlandung hin. Hohe Einspeisevergütungen von bis zu 45 Cent pro Kilowattstunde und weitere staatliche Fördermittel sorgten für einen raschen Boom, hatten aber zur Folge, dass das Ausbauziel für das Jahr 2020 bereits sieben Jahre früher erreicht und sogar um 17 Prozent überschritten wurde. Was dann folgte, könnte der Feder der damaligen deutschen Bundesregierung entsprungen sein: Moratorium für Neuanlagen und drastische Kürzung des Einspeisetarifs. Auch das Ergebnis dieser Rosskur entsprach ziemlich genau dem deutschen.  Das schnelle Wachstum des PV-Markts sorgte beim Strommarkt-Betreiber LAGIE, der auch für die Auszahlung der Einspeisetarife zuständig war, für einen massiven Liquiditätsengpass. Um das Auszahlungskonto von LAGIE weiter zu sanieren, mussten Anlagenbetreiber nicht nur monatelang auf ihr Geld warten, sondern wurden im Rahmen einer rigiden Sparpolitik zu einem 35-prozentigen Abschlag auf den gesamten Wert der verkauften Energie des Jahres 2013 verpflichtet. Hinzu kam die radikale Kürzung der Einspeisetarife für PVAnlagen auf neun Cent pro Kilowattstunde für neue PV-Freiflächenanlagen. Bis Mitte 2013 lag er noch bei 20 bis 45 Cent pro Kilowattstunde. Die rapide Senkung der Einspeisetarife und die rückwirkenden Maßnahmen führten schließlich dazu, dass die Betreiber nicht mehr kostendeckend arbeiten konnten. Neuanlagen wurden nicht mehr errichtet. Der Markt war tot.

Neue Impulse und Aufstieg zum Marktführer
„Das war definitiv der Tiefpunkt“, erinnert sich Takis Sarris an die Zeit bis Ende 2016. Seit 2008 ist er bei juwi. Mittlerweile leitet der 49-jährige Maschinenbauingenieur die juwi-Niederlassung in Athen und hat alle Hochs und Tiefs der Branche mitgemacht. „Die Umstellung auf Ausschreibungen, gepaart mit schnelleren und transparenteren Genehmigungsverfahren, hat dem Markt dann neue Impulse verleihen können.“ Das spürte auch juwi Hellas. Bei der Pilotausschreibung für Solarenergie Ende 2016 konnte juwi ein Fünf- Megawatt-Projekt erfolgreich platzieren. „Ab da ist der Markt dann langsam wieder angelaufen“, resümiert Sarris. Es folgten weitere Projektzuschläge in den anschließenden Ausschreibungsrunden. Den größten Erfolg erzielte juwi Hellas im April 2019, als sich das Unternehmen mit dem Projekt Kozani fast 50 Prozent des Ausschreibungsvolumens sicherte. „Dank einer sehr gut vorbereiteten und konsequent umgesetzten Bieterstrategie ist es uns nicht nur gelungen, unser gesamtes Projektvolumen durch die Auktion zu bringen, wir haben auch den höchsten Tarif von allen bezuschlagten Solarprojekten erhalten“, berichtet Sarris. Ein gewisser Stolz auf das Erreichte schwingt in seiner Stimme mit. Zu Recht. Denn mit dem Erfolg ist juwi in Griechenland zum führenden Unternehmen für Großprojekte im Bereich der erneuerbaren Energien aufgestiegen.

Flankiert wird die Marktentwicklung durch den „Nationalen Plan für Energie und Klima“. Darin ist vorgesehen, dass bis 2030 der Anteil der erneuerbaren Energien am gesamten Brutto-Endenergieverbrauch auf mindestens 35 Prozent steigt. „Aktuell verspüren wir tatsächlich so etwas wie politischen Rückenwind aus Athen“, bestätigt Sarris. „Der Umbau der Energieversorgung hin zu den Erneuerbaren steht ganz oben auf der Regierungsagenda.“ Im Stromsektor soll ihr Anteil bis 2030 auf etwa 65 Prozent oder 19 Gigawatt Leistung steigen. Dafür setzt Griechenland auf Wind- und Solarenergie. Letztere soll dann 7,7 Gigawatt installierte Leistung bereitstellen, was einer Verdoppelung der momentan installierten Anlagenkapazität entspricht. Gleichzeitig will das Land aus der Kohleverstromung aussteigen. Bis 2028 müssen zusätzliche fünf Gigawatt Erzeugungskapazität durch erneuerbare Energien ersetzt werden. Mittelfristig will die griechische Regierung ihre Ziele über große Ausschreibungsvolumina erreichen, die idealerweise gar nicht mehr staatlich vergütet werden. Vielmehr sollen Erzeuger und Stromvermarkter im gesamteuropäischen Kontext direkt zueinanderfinden. Das aktuelle Auktionsverfahren samt staatlich garantierter Vergütung wäre dann der „Brückenmechanismus“ zu Power Purchase Agreements (PPA), zu direkten Vereinbarungen über Stromlieferungen zwischen Produzent und Abnehmer.

Neue Dynamik in Italien
Mit PPAs plant auch Dietmar Spies für den italienischen Markt – allerdings derzeit nicht aus dem Büro in Verona, sondern aus seiner Frankfurter Wohnung. Der 40-Jährige arbeitet zurzeit im Homeoffice, wie auch all seine Kolleginnen und Kollegen in Italien. Die Sicherheitsvorkehrungen zur Bekämpfung des Coronavirus erlauben keine Reisetätigkeit. Und so führt Spies die italienische Niederlassung per Mail, Telefonkonferenzen und Mobiltelefon. „Wir gehen pragmatisch mit der Situation um“, sagt er. In virtueller Zusammenarbeit treibt er mit seinem Team die Projektentwicklung weiter voran. Denn der italienische Markt gewinnt wieder an Dynamik.

Die Entscheidung, an der Niederlassung in Verona festzuhalten, stellt sich als richtig heraus. „Selbstverständlich mussten wir in den Zeiten, in denen es aus PV-Sicht in Italien nicht rundlief, Überlegungen anstellen, wie es hier weitergehen soll“, erinnert sich Dietmar Spies an die Zeit nach 2012. Damals lief die staatliche Einspeisevergütung wie geplant aus, der italienische Markt folgte dem bekannten Muster: Auf den Boom folgte die Depression. „Fakt war aber, dass wir hoch motivierte Kolleginnen und Kollegen mit dem dazugehörigen Know-how bei der Projektplanung und in der Betriebsführung vor Ort hatten und Marktindikatoren auf ein baldiges Wiederanspringen hindeuteten. Zudem verfügt das Land über ideale Bedingungen für die Stromgewinnung aus Photovoltaik. Hinzu kam, dass die PV-Stromerzeugungskosten von Jahr zu Jahr sanken und auch weiterhin sinken, die Stromkosten in Italien aber vergleichsweise hoch sind, sodass Solarstrom relativ schnell wettbewerbsfähig wurde.“

Trend zu PPAs
Und so kam es: Aktuell lässt sich in Italien Strom von großen Freiflächen-Solarparks für viereinhalb bis fünf Cent pro Kilowattstunde produzieren. Allerdings sind Ackerflächen als PV-Standort von den staatlichen Ausschreibungen für die Garantievergütung ausgeschlossen. An den technologieoffenen Ausschreibungen der italienischen Netzagentur dürfen nur Projekte auf Industrieflächen teilnehmen. Insgesamt rund 4,8 Gigawatt regenerativ erzeugte Leistung will die italienische Regierung in den kommenden zweieinhalb Jahren quartalsweise ausschreiben. Teilnahmeberechtigt sind Projekte größer ein Megawatt. Das zu verteilende Gesamtbudget beträgt 5,8 Milliarden Euro. Allerdings konnte bei der ersten gemeinsamen Erneuerbare-Energien-Ausschreibung in diesem Jahr nur ein Solarprojekt einen Zuschlag ergattern. Die restlichen 495 Megawatt Leistung teilten diverse Windenergie- Projekte unter sich auf. Kein Wunder, aktuell gibt es kaum zulassungsberechtigte Solarprojekte in Italien. Daher setzen die Marktteilnehmer im Segment der großen Freiflächenanlagen verstärkt auf PPAs statt auf die Teilnahme an Ausschreibungen.

„Die Photovoltaik ist absolut wettbewerbsfähig. Wir verzeichnen aktuell eine gewisse Spannung bei allen Marktteilnehmern. Partner und Investoren stehen bereit und suchen händeringend nach baureifen Projekten“, erläutert Dietmar Spies die gegenwärtige Situation. juwi ist in beiden Projektwelten zu Hause, nimmt an staatlichen Ausschreibungen teil, entwickelt seine Projekte aber so, dass sie außerhalb des Fördermechanismus vermarktet werden können. Der Planungsfokus liegt dabei auf Anlagen im Mittelspannungsbereich zwischen fünf und zehn Megawatt Leistung. Geografisch konzentriert sich juwi auf Norditalien. „Unser Ziel ist es, noch in diesem Jahr mit unserem ersten PPA-Projekt beginnen zu können“, verrät der juwi-Geschäftsführer. Spies ist gut vernetzt, hat die letzten Jahre intensiv genutzt, um juwi in Italien als zuverlässigen Projektpartner zu etablieren – bei lokalen Projektentwicklungs- Partnern und Investoren. Auch an der eigenen Projektpipeline wurde intensiv gearbeitet. Rund 180 Megawatt umfasst sie. Das zahlt sich nun aus.

„Wir sind auf einem gutem Weg, unser Ziel, gesundes und stabiles Wachstum, zu erreichen“, betont Spies. Und wie in Deutschland und Griechenland ist auch in Italien noch Luft nach oben. Einen erneuten Marktimpuls könnte der angekündigte Kohleausstieg bis zum Jahr 2030 auslösen. Und auch die Europäische Union erhöht den Druck auf Italien, seine Energieerzeugung nachhaltiger zu gestalten. Daher setzt Italien nun stärker auf Windkraft und Solarenergie, um den EU-Vorgaben zu entsprechen. Bis 2030 soll die Kapazität der Windkraft von derzeit zehn Gigawatt auf 18,4 Gigawatt steigen. Bei der Solarenergie soll die Kapazität von derzeit 20 auf 50,8 Gigawatt wachsen, so der Nationalplan für Energie und Klima. Auch hier verdeutlichen die Zahlen: An der Photovoltaik führt kein Weg mehr vorbei.

 „Ein wirklich wichtiger Meilenstein nicht nur für juwi, sondern für ganz Griechenland.“ Takis Sarris, juwi-Geschäftsführer in Griechenland

Denn der Projektabschluss steht symbolisch für den Wiederaufstieg einer der wichtigsten Energiequellen des Landes, der Solarenergie.

Rückwirkende Kürzungen und Einbruch des Marktes
Wie sein deutsches Pendant legte auch der griechische Solarmarkt ab dem Jahr 2013 eine ziemliche Bruchlandung hin. Hohe Einspeisevergütungen von bis zu 45 Cent pro Kilowattstunde und weitere staatliche Fördermittel sorgten für einen raschen Boom, hatten aber zur Folge, dass das Ausbauziel für das Jahr 2020 bereits sieben Jahre früher erreicht und sogar um 17 Prozent überschritten wurde. Was dann folgte, könnte der Feder der damaligen deutschen Bundesregierung entsprungen sein: Moratorium für Neuanlagen und drastische Kürzung des Einspeisetarifs. Auch das Ergebnis dieser Rosskur entsprach ziemlich genau dem deutschen.  Das schnelle Wachstum des PV-Markts sorgte beim Strommarkt-Betreiber LAGIE, der auch für die Auszahlung der Einspeisetarife zuständig war, für einen massiven Liquiditätsengpass. Um das Auszahlungskonto von LAGIE weiter zu sanieren, mussten Anlagenbetreiber nicht nur monatelang auf ihr Geld warten, sondern wurden im Rahmen einer rigiden Sparpolitik zu einem 35-prozentigen Abschlag auf den gesamten Wert der verkauften Energie des Jahres 2013 verpflichtet. Hinzu kam die radikale Kürzung der Einspeisetarife für PVAnlagen auf neun Cent pro Kilowattstunde für neue PV-Freiflächenanlagen. Bis Mitte 2013 lag er noch bei 20 bis 45 Cent pro Kilowattstunde. Die rapide Senkung der Einspeisetarife und die rückwirkenden Maßnahmen führten schließlich dazu, dass die Betreiber nicht mehr kostendeckend arbeiten konnten. Neuanlagen wurden nicht mehr errichtet. Der Markt war tot.

Neue Impulse und Aufstieg zum Marktführer
„Das war definitiv der Tiefpunkt“, erinnert sich Takis Sarris an die Zeit bis Ende 2016. Seit 2008 ist er bei juwi. Mittlerweile leitet der 49-jährige Maschinenbauingenieur die juwi-Niederlassung in Athen und hat alle Hochs und Tiefs der Branche mitgemacht. „Die Umstellung auf Ausschreibungen, gepaart mit schnelleren und transparenteren Genehmigungsverfahren, hat dem Markt dann neue Impulse verleihen können.“ Das spürte auch juwi Hellas. Bei der Pilotausschreibung für Solarenergie Ende 2016 konnte juwi ein Fünf- Megawatt-Projekt erfolgreich platzieren. „Ab da ist der Markt dann langsam wieder angelaufen“, resümiert Sarris. Es folgten weitere Projektzuschläge in den anschließenden Ausschreibungsrunden. Den größten Erfolg erzielte juwi Hellas im April 2019, als sich das Unternehmen mit dem Projekt Kozani fast 50 Prozent des Ausschreibungsvolumens sicherte. „Dank einer sehr gut vorbereiteten und konsequent umgesetzten Bieterstrategie ist es uns nicht nur gelungen, unser gesamtes Projektvolumen durch die Auktion zu bringen, wir haben auch den höchsten Tarif von allen bezuschlagten Solarprojekten erhalten“, berichtet Sarris. Ein gewisser Stolz auf das Erreichte schwingt in seiner Stimme mit. Zu Recht. Denn mit dem Erfolg ist juwi in Griechenland zum führenden Unternehmen für Großprojekte im Bereich der erneuerbaren Energien aufgestiegen.

Flankiert wird die Marktentwicklung durch den „Nationalen Plan für Energie und Klima“. Darin ist vorgesehen, dass bis 2030 der Anteil der erneuerbaren Energien am gesamten Brutto-Endenergieverbrauch auf mindestens 35 Prozent steigt. „Aktuell verspüren wir tatsächlich so etwas wie politischen Rückenwind aus Athen“, bestätigt Sarris. „Der Umbau der Energieversorgung hin zu den Erneuerbaren steht ganz oben auf der Regierungsagenda.“ Im Stromsektor soll ihr Anteil bis 2030 auf etwa 65 Prozent oder 19 Gigawatt Leistung steigen. Dafür setzt Griechenland auf Wind- und Solarenergie. Letztere soll dann 7,7 Gigawatt installierte Leistung bereitstellen, was einer Verdoppelung der momentan installierten Anlagenkapazität entspricht. Gleichzeitig will das Land aus der Kohleverstromung aussteigen. Bis 2028 müssen zusätzliche fünf Gigawatt Erzeugungskapazität durch erneuerbare Energien ersetzt werden. Mittelfristig will die griechische Regierung ihre Ziele über große Ausschreibungsvolumina erreichen, die idealerweise gar nicht mehr staatlich vergütet werden. Vielmehr sollen Erzeuger und Stromvermarkter im gesamteuropäischen Kontext direkt zueinanderfinden. Das aktuelle Auktionsverfahren samt staatlich garantierter Vergütung wäre dann der „Brückenmechanismus“ zu Power Purchase Agreements (PPA), zu direkten Vereinbarungen über Stromlieferungen zwischen Produzent und Abnehmer.

Neue Dynamik in Italien
Mit PPAs plant auch Dietmar Spies für den italienischen Markt – allerdings derzeit nicht aus dem Büro in Verona, sondern aus seiner Frankfurter Wohnung. Der 40-Jährige arbeitet zurzeit im Homeoffice, wie auch all seine Kolleginnen und Kollegen in Italien. Die Sicherheitsvorkehrungen zur Bekämpfung des Coronavirus erlauben keine Reisetätigkeit. Und so führt Spies die italienische Niederlassung per Mail, Telefonkonferenzen und Mobiltelefon. „Wir gehen pragmatisch mit der Situation um“, sagt er. In virtueller Zusammenarbeit treibt er mit seinem Team die Projektentwicklung weiter voran. Denn der italienische Markt gewinnt wieder an Dynamik.

Die Entscheidung, an der Niederlassung in Verona festzuhalten, stellt sich als richtig heraus. „Selbstverständlich mussten wir in den Zeiten, in denen es aus PV-Sicht in Italien nicht rundlief, Überlegungen anstellen, wie es hier weitergehen soll“, erinnert sich Dietmar Spies an die Zeit nach 2012. Damals lief die staatliche Einspeisevergütung wie geplant aus, der italienische Markt folgte dem bekannten Muster: Auf den Boom folgte die Depression. „Fakt war aber, dass wir hoch motivierte Kolleginnen und Kollegen mit dem dazugehörigen Know-how bei der Projektplanung und in der Betriebsführung vor Ort hatten und Marktindikatoren auf ein baldiges Wiederanspringen hindeuteten. Zudem verfügt das Land über ideale Bedingungen für die Stromgewinnung aus Photovoltaik. Hinzu kam, dass die PV-Stromerzeugungskosten von Jahr zu Jahr sanken und auch weiterhin sinken, die Stromkosten in Italien aber vergleichsweise hoch sind, sodass Solarstrom relativ schnell wettbewerbsfähig wurde.“

Trend zu PPAs
Und so kam es: Aktuell lässt sich in Italien Strom von großen Freiflächen-Solarparks für viereinhalb bis fünf Cent pro Kilowattstunde produzieren. Allerdings sind Ackerflächen als PV-Standort von den staatlichen Ausschreibungen für die Garantievergütung ausgeschlossen. An den technologieoffenen Ausschreibungen der italienischen Netzagentur dürfen nur Projekte auf Industrieflächen teilnehmen. Insgesamt rund 4,8 Gigawatt regenerativ erzeugte Leistung will die italienische Regierung in den kommenden zweieinhalb Jahren quartalsweise ausschreiben. Teilnahmeberechtigt sind Projekte größer ein Megawatt. Das zu verteilende Gesamtbudget beträgt 5,8 Milliarden Euro. Allerdings konnte bei der ersten gemeinsamen Erneuerbare-Energien-Ausschreibung in diesem Jahr nur ein Solarprojekt einen Zuschlag ergattern. Die restlichen 495 Megawatt Leistung teilten diverse Windenergie- Projekte unter sich auf. Kein Wunder, aktuell gibt es kaum zulassungsberechtigte Solarprojekte in Italien. Daher setzen die Marktteilnehmer im Segment der großen Freiflächenanlagen verstärkt auf PPAs statt auf die Teilnahme an Ausschreibungen.

„Die Photovoltaik ist absolut wettbewerbsfähig. Wir verzeichnen aktuell eine gewisse Spannung bei allen Marktteilnehmern. Partner und Investoren stehen bereit und suchen händeringend nach baureifen Projekten“, erläutert Dietmar Spies die gegenwärtige Situation. juwi ist in beiden Projektwelten zu Hause, nimmt an staatlichen Ausschreibungen teil, entwickelt seine Projekte aber so, dass sie außerhalb des Fördermechanismus vermarktet werden können. Der Planungsfokus liegt dabei auf Anlagen im Mittelspannungsbereich zwischen fünf und zehn Megawatt Leistung. Geografisch konzentriert sich juwi auf Norditalien. „Unser Ziel ist es, noch in diesem Jahr mit unserem ersten PPA-Projekt beginnen zu können“, verrät der juwi-Geschäftsführer. Spies ist gut vernetzt, hat die letzten Jahre intensiv genutzt, um juwi in Italien als zuverlässigen Projektpartner zu etablieren – bei lokalen Projektentwicklungs- Partnern und Investoren. Auch an der eigenen Projektpipeline wurde intensiv gearbeitet. Rund 180 Megawatt umfasst sie. Das zahlt sich nun aus.

„Wir sind auf einem gutem Weg, unser Ziel, gesundes und stabiles Wachstum, zu erreichen“, betont Spies. Und wie in Deutschland und Griechenland ist auch in Italien noch Luft nach oben. Einen erneuten Marktimpuls könnte der angekündigte Kohleausstieg bis zum Jahr 2030 auslösen. Und auch die Europäische Union erhöht den Druck auf Italien, seine Energieerzeugung nachhaltiger zu gestalten. Daher setzt Italien nun stärker auf Windkraft und Solarenergie, um den EU-Vorgaben zu entsprechen. Bis 2030 soll die Kapazität der Windkraft von derzeit zehn Gigawatt auf 18,4 Gigawatt steigen. Bei der Solarenergie soll die Kapazität von derzeit 20 auf 50,8 Gigawatt wachsen, so der Nationalplan für Energie und Klima. Auch hier verdeutlichen die Zahlen: An der Photovoltaik führt kein Weg mehr vorbei.


Back to list

More topics

Newest article

juwi Shizen Energy constructs 54-megawatt-solarpark on a former golf course in Japan

PV-plant is located approx. 100km north of Tokyo. Largest single project of the juwi joint venture. more

Greg Austin to lead juwi’s EMEA organization as Regional Director

Greg Austin has been appointed Regional Director for the EMEA region and will start 1st of October… more